Bali (2018)

Ich hatte noch jede Menge Resturlaub und überlegte, was ich damit anfangen könnte. Im September habe ich dann 10 Tage Bali gebucht: warm, sehr günstig, für viele ein Traumziel – und außerdem war ich noch nie dort 😀

Mitte November war es dann soweit: Ab in den Flieger von Qatar Airways (übrigens eine der besten Fluggesellschaften, mit der ich bisher unterwegs war) mit Zwischenlandung in Katar. Dort hatte ich dann 3 Stunden Aufenthalt und ausreichend Muse, das Flughafengebäude zu bewundern. Es wirkt ein bißchen futuristisch, aber viel aufgeräumter und übersichtlicher als z.B. Frankfurt. Und man hat relativ kurze Wege. Man sieht dort auch Kunstwerke wie z.B. das hier:


Der Weiterflug war dann interessant: Eine große Boeing 777 – und vielleicht 60 oder 70 Passagiere an Bord. Was dann hieß: Jeder hatte eine 3er- oder 4er-Reihe für sich und konnte sich zum Schlafen hinlegen (was die meisten dann auch gemacht haben). Außerdem gab es 2x was zu essen (das war übrigens gar nicht schlecht und man hatte die Auswahl unter mehreren Hauptgerichten).
Am Flughafen auf Bali wartete dann schon der Besitzer meines Lodges in Ubud. Nach einer guten Stunde Fahrt waren wir dann am Ziel: Ein kleiner Familienbetrieb mit 4 Bungalows mitten in einem Urwald-Garten und weit weg vom Verkehrslärm, aber trotzdem zentral gelegen. Jeder Bungalow hat eine überdachte Terrasse mit Tisch und Stühlen, einer Liege, einem Wasserspender usw. Das Frühstück wird morgens auf die Terrasse gebracht, man kann unter 8 verschiedenen Dingen auswählen und bekommt dazu noch Kaffee oder Tee und einen frischen Obstsalat.


An Tag 1 machte ich das, was ich immer zuerst mache: Die Gegend erkunden. Ubud hat neben einer Unmenge von Tempeln natürlich alles, was eine Touristenstadt ausmacht: Einen riesigen Markt, der aber auch viel von Einheimischen genutzt wird, massenhaft Hotels, Hostels, B&Bs, Spas, Massage- und Kosmetik-Salons, Supermärkte, Lokale (die sogenannten Warungs), Bars – und jede Menge Menschen, die überall herumsitzen und ein „Taxi“-Schild hochheben. Die meisten davon dürften keine offiziellen Taxi-Fahrer sein. Wobei fast alle sowieso mit ihrem Roller transportieren … ohne Helm !
Jedenfalls habe ich an diesem Tag mal wieder meine 6-7 Kilometer abgerissen, war in einem kleinen Warung, der mir empfohlen wurde, und dann relativ früh im Bett.

Einer der kleineren Tempel

Ubud Palace

Ab Tag 2 hatte ich mir einen Mietwagen organisiert, einen Suzuki Jimny Katana. Hier gleich ein TIPP: Wenn Ihr Euch im Verkehr einer deutschen Großstadt unsicher fühlt, dann vergesst sofort wieder, auf Bali einen Mietwagen organisieren zu wollen !
1.: Linksverkehr und die Lenkräder sind rechts ! Das geht mit einer kurzen Übungszeit ja noch. Aber 2.: Absolut chaotische Verhältnisse. Gefühlte 90% der Balinesen sind mit einem Roller unterwegs. Und die überholen einen rechts und links, ob gerade Gegenverkehr ist oder nicht. Da einem ständig auf der eigenen (engen) Spur welche entgegenkommen, muss man dauernd nach vorne schauen und sieht nicht, was hinter einem passiert. 3.: Geparkt wird fast überall. Das heißt: Die engen Straßen werden noch enger. Und 4.: Wenn man denkt, man kommt aus der Stadt raus und hat dann Platz und Ruhe wie bei uns – Fehlanzeige ! An vielen Hauptrouten stehen fast die ganze Strecke rechts und links Häuser und man weiß nicht, wo das eine Dorf aufhört und das andere anfängt.


Wie auch immer, ich klemmte mich hinters Steuer und fuhr Richtung Norden zu den Reisfeldern von Tegallalang, einem Touristenmagneten. Man kann quer durch die riesige Anlage wandern, sich auf Schaukeln setzen und über dem Abhang schweben … aber bis es soweit ist, muss man erstmal viele Treppenstufen bezwingen. Und auf der anderen Seite geht es mit genauso vielen Stufen wieder hoch.


Bei der schwülen Hitze, die gerade herrschte, war ich natürlich recht schnell klatschnass. Deshalb änderte ich meinen Plan, noch zum Tegenungan-Wasserfall zu fahren und machte lieber nach einer Dusche eine Siesta in meinem Zimmer 😉
Bei Facebook gibt es eine riesige Gruppe, die sich mit Bali beschäftigt. Da kann man jede Menge Tipps und Erfahrungsberichte bekommen. Eine ganze Reihe der Mitglieder war auch in Ubud. Saskia, eine davon, machte den Vorschlag, sich eine typisch balinesische Tanzveranstaltung im Ubud Palace anzuschauen. Gesagt, getan. Und hier sind ein paar Fotos zur Verdeutlichung:


Anschließend waren wir noch in einer Bar und tranken ein paar Bintang „Radler“ (die heißen wirklich so !).

An Tag 3 machte ich dann die Fahrt zum Tegenungan-Wasserfall. Dort angekommen wunderte ich mich etwas, weil er überall als „Blangsinga“ ausgeschildert war. Der nette Mensch am Kassenhäuschen beruhigte mich aber, das wäre tatsächlich der Tegenungan, also bezahlte ich 15.000 IDR (ca. 90 Cent) und stieg mal wieder zig Treppenstufen runter.
Unten am Wasser angekommen konnte ich sehen, dass es auf der anderen Seite ebenfalls einen Abstieg gab, unter anderem mit Umkleidekabinen usw. Also wieder hoch, den Kassierer gefragt, wie man auf die andere Seite kommt und nochmal 3 Kilometer gefahren. Dort war dann wirklich das touristische Ambiente mit Lokalen, Souvernir-Shops – und dem Schild „Tegenungan“ ! Hier durfte ich dann nochmal 15.000 IDR bezahlen, viele Treppen runtersteigen, nur um unten zu erfahren, dass das Baden am Wasserfall derzeit verboten sei. Wenigstens bekam ich ein paar schöne Fotos.


Wieder oben angelangt kaufte ich mir ein Eis und genoß noch eine Weile die Aussicht.
Weil ich noch jede Menge Zeit und Energie hatte, fuhr ich weiter zum Bali-Zoo. Eine nette große Anlage, aber für Ausländer leider recht teuer. Mit 395.000 IDR (ca. 23 Euro) zahlt man als Tourist das dreieinhalbfache der Einheimischen. Und wenn man ein paar Runden auf einem Elefanten in einem Wasserbecken drehen will, wird es mit 70 Euro richtig happig.


Im Lodge ging es erstmal wieder unter die Dusche, zur Siesta – und dann zu meinem Autovermieter. Das Auto hatte ein paar gefährliche Macken, die Klimaanlage setzte das Auto unter Wasser und so richtig Lust auf den Streß bei längeren Strecken hatte ich auch keine mehr. Also machte ich aus, dass ich es am nächsten Morgen zurückgeben würde. Anschließend ging es in ein Lokal, dass Saskia empfohlen hatte. Die Preise waren zwar deutlich teurer als in manchen anderen Warungs, dafür war das Essen sehr lecker und ein Teil der Einnahmen fließt in Hilfsprojekte, z.B. ärztliche Versorgung. Und ganz ehrlich: 6 Euro für ein Abendessen mit Getränk … Bei McDoof zahlt man deutlich mehr.

Tag 4 brach an, ich brachte das Auto zurück. Und dann machte ich mich auf, um Ruhe und Stille zu finden. Ein paar hundert Meter nördlich der Hauptstraße fangen die Reisfelder von Ubud an, und im Vergleich zur Stadt war es dort wirklich ruhig. Auch der Weg dort ist natürlich für Touristen angelegt, deshalb findet man immer wieder kleine Hotels, selbstgezimmerte Getränkestände oder kleine Hütten mit Kunsthandwerk. Aber wer der Hektik aus dem Weg gehen will, ist hier richtig.

Die Straße zu den Reisfeldern ist übrigens interessant. Sie heißt Jalan Kajeng und wurde durch Spendenfinanzierung saniert. Wer wollte, konnte sich eine noch weiche Betonplatte kaufen und dort etwas einritzen. Natürlich haben das viele Hotels, Warungs und sonstige Geschäfte genutzt, aber auf bestimmt der Hälfte der Platten haben sich Touristen verewigt:

Mittagessen (übrigens das erste, seit ich auf Bali war) gabs dann im Lokal vom Vorabend. Und dann wie üblich eine Dusche, eine Siesta, ein bißchen Blog schreiben … und abends nochmal in die OOPS-Bar auf ein, zwei Radler 😉

An Tag 5 hatte ich genug vom vielen Laufen – und eine beginnende Blase am Fuß. Deshalb ging ich das „Risiko“ ein und lieh mir bei meinem Vermieter einen Roller. Und was soll ich sagen: Rollerfahren auf Bali ist bei weitem entspannter als mit dem Auto. Man sieht mehr von der Umgebung, man hat auf der Straße deutlich mehr Platz und muss nicht ständig bremsen … Wer wie ich von zu Hause aus Roller-Erfahrung hat, dem sei das dringend empfohlen. Allerdings: unter 110 ccm gibt es keinen, man sollte also eigentlich den Motorradführerschein haben !
Wie auch immer, ich fuhr erstmal eine relativ kurze Strecke von meinem Lodge zum Monkey Forest, einer Art Freilicht-Museum mit Urwaldatmosphäre, Tempeln und hunderten halbwilden Affen. Leider war ich recht spät da und hatte somit mehr Besucher als Affen um mich. Schön wars trotzdem. Das Gelände ist nicht riesig, aber man kann sich da ohne Probleme eine Stunde lang aufhalten und tolle Fotos machen.



Morgens hatte ich mit meinem Vermieter noch verschiedene Touren für die nächsten Tage ausgemacht, die für einen Roller eigentlich zu weit sind. Und er besorgte mir ein Bus-Ticket für den nächsten Tag nach Amed, einem Ort an der Ostküste, wo man toll schnorcheln kann (ich hatte ja extra meine Schnorchel-Ausrüstung dabei !). Und dann hatte ich ein Problem: Die einzige Transportmöglichkeit zurück am gleichen Tag wäre ein Taxi gewesen. Ich hatte zwar in meiner Facebook-Gruppe nach einer Mitnahmemöglichkeit am Abend gefragt, aber leider hatte sich nichts ergeben. Für den gleichen Preis wie für das Taxi konnte ich in einem guten Hotel mit Frühstück übernachten und am nächsten Vormittag den regulären Bus zurück nehmen. Also: Kurzentschlossen ein Hotelzimmer für 20 Euro (!) gebucht: direkte Strandlage, Zimmer mit großer Terrasse und Meerblick:

Tag 6 begann mitten in der Nacht, morgens um halb 6. Um halb 7 fuhr mich mein Vermieter zur Bus-Station von Peramatour und los gings Richtung Strand, Meer und Schnorchelmöglichkeiten. Freundlicherweise konnte ich nach der Ankunft sofort mein Hotelzimmer beziehen, meine Tauchermaske schnappen, mich ins Wasser stürzen und die ersten Korallenbänke erkunden. In Amed traf ich auch Saskia wieder, die einen Tag vorher aus Ubud angereist war.
Mein Vermieter bot uns eine Fahrt in einem der vielen Auslegerboote an, das uns zu diversen Tauch- und Schorchelspots entlang der Küste bringen würde, und das für wenig Geld. Nachmittags startete die 3-stündige Tour, das Highlight dabei war, dass man an einer Stelle an einem Seil hinter dem Boot hergezogen wurde und so ohne Anstrengung alles bewundern konnte. Leider hatte meine Unterwasserkamera schon Tage vorher den Geist aufgegeben, aber da ich ja nicht alleine da war … 😉

(c) 2018 Saskia H.

Nach einer ruhigen Nacht mit Meeresrauschen gabs am nächsten Morgen ein Frühstück am Strand:


Hätte ich nicht meine feste Station in Ubud gehabt, wäre ich vielleicht noch eine Nacht geblieben.
Abends traf ich mich mit Valerie, einer Interessentin für die geplanten Touren an den nächsten beiden Tagen. Die Touren hatte ich in der Facebook-Gruppe angeboten und sie hatte sich gemeldet. Sie war erst an diesem Tag in Ubud angekommen und hatte sich, wie sich dann herausstellte, im benachbarten Hostel einquartiert. Das passte also wunderbar.

Tag 8: Morgens um 8 ging es mit Ngurah, meinem Vermieter, und Valerie los. Geplant war Air Panas in Banjar. Dort gibt es heiße schweflige Quellen, die als Heilbad angesehen werden. Dementsprechend findet man dort verschiedene Becken, Umkleidekabinen, Duschen usw. Auf halber Strecke schlug Ngurah allerdings eine andere heiße Quelle vor – und dieser Tipp war Gold wert. Vorher besuchten wir aber noch den Ulun Danu-Tempel, eine große Anlage an einem See.

Weiter ging die Fahrt nach Air Panas Angseri. Und was soll man sagen: Wir waren über eine Stunde dort – völlig alleine ! Die Ruhe war einfach herrlich, genauso wie das Wasser.

Nach einem Essen inmitten von Reisterrassen ging es dann weiter in den Süden zum Tanah Lot-Tempel. Der steht auf einem Felsen direkt am Meer, ist bei Flut nicht zu erreichen und besonders bei Sonnenuntergang ein häufig fotografiertes Motiv. Bis man vom Parkplatz erstmal dort ist, muss man allerdings an zig Geschäften vorbei.

Leider konnte man den Tempel an diesem Tag nicht besichtigen – wenn man kein Hindu war.

Nach der Rückfahrt nach Ubud und ein bißchen Ausruhen trafen wir uns mit Katy, ebenfalls in der Facebook-Gruppe. Sie wollte am nächsten Morgen mit auf Tour gehen.

Tag 9 begann noch früher. Um 7 Uhr begaben wir uns auf große Fahrt, zuerst zum Tempel Lempuyang. Leider verirrten wir uns etwas und so landeten wir nach einer abenteuerlichen Fahrt über winzige, kurvenreiche und extrem steile Sträßchen am mittleren Lempuyang-Tempel (es gibt 3 davon !). Wie auch immer, wir kamen zum Schluss doch noch zum richtigen, und zwar an den mit dem berühmten Himmelstor.

In den meisten Tempeln muss man einen Wickelrock, den sogenannten Sarong, tragen (den kann man in der Regel am Eingang leihen). Ich durfte auch einen umbinden und fühlte irgendwie meine weibliche Seite  😀

Von hier aus hat man auch einen wunderbaren Ausblick auf den Mount Agung, einem aktiven Vulkan und die höchste Erhebung auf Bali:

Auf der Fahrt zum Tirta Gganga-Tempel gab es immer wieder Haltepunkte zum Aussteigen und Landschaft-bewundern:

Auch der Tirta Gganga-Tempel war ein nettes Fleckchen und von Touristen bevölkert. Ok, man sollte halt mal dort gewesen sein 😉

Wir hatten uns am Vorabend überlegt, unsere Badesachen mitzunehmen, falls sich eine Gelegenheit zum Baden ergeben sollte. Ngurah, unser Fahrer, setzte uns auf der Rückfahrt am Virgin Beach ab, der mit seinen Strandbars sooo jungfräulich gar nicht mehr ist. Aber schön wars dort trotzdem. Und ohne die ganzen Anzeichen von Zivilisation und den anderen Strandgästen hätte das Ganze ausgesehen wie der Strand im Film „Castaway“.

Nach 2 Stunden relaxen am Strand gings dann zur letzten Station, dem Goa Lawah (Fledermaus-) Tempel. Die Hauptattraktion ist dabei eine Höhle mit jeder Menge Fledermäusen, die auch tagaktiv sind. Leider habe ich keine wirklich gut fotografieren können. Hier hatte ich auch das erste Mal das Gefühl, bedrängt zu werden. Eine Frau am Tempeleingang wollte unbedingt, dass ich etwas von ihr kaufe. Ruhe gab sie erst, als ich ihr einen Euro (!) in die Hand drückte und wegging.

Abends nach der Rückkehr besuchten wir ein kleines Warung am Rand von Ubud, das „Avocado Warung“. Die haben nur eine Handvoll Gerichte auf der Speisekarte, aber alle haben mit Avocado zu tun. Zum Beispiel auch der Hamburger, den ich mir bestellte: 2 Avocado-Hälften an Stelle des Brötchens. Lecker wars !

Tag 10: Mein Abreisetag. Und der Himmel weinte. Daher hatte ich ein bißchen Zeit, ein Fazit zu ziehen. Das könnt Ihr hier lesen:

Fazit

Nochmal Bali? Eindeutig ja, dann aber länger. Und anders ! Eine feste Station mag Vorteile haben, aber man sieht zu wenig von der Insel. Viel besser ist es, sich immer mal für 2 oder 3 Tage etwas zu suchen und dann weiter zu ziehen. Sehr viele machen das so, aber zu dieser Einsicht musste ich erstmal kommen. Es gibt immer wieder Mitfahrmöglichkeiten zu allen möglichen Punkten auf der Insel, so dass man für wenig Geld herumreisen kann. Zur Not nimmt man den Perama-Bus oder, für kurze Strecken, ein Taxi. Unterkünfte findet man immer, z.B. bei booking.com oder auch über Mund-zu-Mund-Propaganda. Wenn man in einer entsprechenden Community ist, ist das auf jeden Fall mehr als hilfreich.

Übrigens: Flug und Unterkunft haben mich 830 Euro gekostet !!! Das lag vielleicht auch an der Reisezeit, aber wer denkt, dass er sich diese Reise nicht leisten kann, ist schief gewickelt 😉

Falls ich Euch den Mund wässrig gemacht habe und Ihr Fragen habt: Einfach schreiben.

 

 

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