Marrakesch (2017)

Ende des Jahres hatte ich mal wieder nach Reiseschnäppchen gestöbert Das Schnäppchen hieß in diesem Fall: 4 Übernachtungen mit Frühstück in einem 3-Sterne-Hotel in Marrakesch inkl. Flug für 207 Euro bei Neckermann-Reisen. Ende Januar gings los.

Für den Hinflug hatte ich mir etwas Besonderes ausgedacht: Ein Fensterplatz auf der rechten Seite, damit ich beim Anflug auf Marrakesch den Hohen Atlas im letzten Abendlicht fotografieren kann. Das hat sich dann erledigt, über Marrakesch hing eine dicke Wolkendecke. Fotos konnte ich nur kurz vor der Landung machen.

Am Flughafen in Marrakesch muss man vor der Passkontrolle ein Formular ausfüllen. Nehmt Euch im Handgepäck auf jeden Fall einen Kugelschreiber mit, sonst wartet Ihr ewig ! Auch die Passkontrolle dauert: Wenn da auf einen Schlag 200 Touristen ankommen, steht man schon mal eine halbe Stunde oder länger in der Schlange. Wenigstens gibt es am Flughafen kostenloses WLAN.

Der Transport zum Hotel hat gut funktioniert – und ich konnte 1. mein spärliches Französisch ausprobieren und 2. einen Eindruck vom Verkehr in Marrakesch bekommen. Gleich ein TIPP: Verzichtet darauf, Euch dort ein Auto oder ein Motorrad zu mieten, Ihr würdet gnadenlos untergehen 😀 Da fährt wirklich jeder, wie er will. Rote Ampel? Egal. Kein Mofa-Licht? Egal. Fussgänger auf dem Zebrastreifen? Egal. Und abends wird es noch schlimmer. Hier mal eine Momentaufnahme:

Ich war schon vom Verkehr in Palermo „beeindruckt“ (siehe meinen Reiseblog „Kreuzfahrt 2009“), aber das hier schlägt Palermo um Längen. In der Regel wird oft und gerne gehupt – öfter als geblinkt wird 😀

Am ersten Abend habe ich wie üblich die nähere Umgebung erkundet. Eine Stunde umherschlendern und dann zurück ins Hotel zum Abendessen. Da war es recht „lustig“: 3 Kellner haben mich gefragt, was ich trinken möchte – und erst der Dritte hat mir dann auch tatsächlich was gebracht.

Nach dem Frühstück am nächsten Tag ging es los zum Bureau de Tourisme. Ein freundlicher Polizist hat es mir gezeigt, ebenso die Haltestelle des Hop on-Hop off-Busses – der aber gar nicht mehr fährt, wie mir jemand auf dem Touristenbüro erzählte. Auf der Homepage der Verkehrsbetriebe ist dazu nichts zu finden … Auf jeden Fall: Was tun? Ich habe mir meinen Stadtplan auf dem Handy angeschaut und bin einfach mal losmarschiert. Unterwegs kann man immer wieder interessante Dinge sehen.

Der Hauptbahnhof von Marrakesch

Das königliche Theater

Was man auf keinen Fall fotografieren darf sind städtische Einrichtungen, staatliche Gebäude und der Königspalast !! Das kann zu ziemlichem Ärger führen. Aus diesem Grund habe ich dann mal darauf verzichtet, den Palais de Congress aufzunehmen, obwohl der interessant aussieht.

Nach einer gewissen Zeit wollte ich dann zur Medina, der Altstadt mit den vielen Souks. Auf dem Weg dahin hat mich einer angequatscht, er kenne mich aus meinem Hotel und würde dort im Restaurant arbeiten. Nun ist es so, dass man in jedem Reiseführer lesen kann, dass es viele hilfsbereite Menschen in Marrakesch gibt, die einem gerne den Weg zeigen (nicht ohne bei verschiedenen befreundeten Händlern vorbeizugehen) – und anschließend die Hand aufhalten. Ich wusste das natürlich auch, hab mich aber trotzdem mal auf das Spielchen eingelassen. Für eine Handvoll Dirham habe ich dann einiges von Marrakesch gesehen, was man als normaler Tourist nicht sieht, habe ein paar interessante Dinge und Verhaltensregeln gelernt – und war in einem riesigen Verkaufshaus, das von außen einfach nur wie ein Wohnhaus aussah. Kein Schild, kein Hinweis – aber innen vollgestopft mit Handwerkskunst. Wir waren bestimmt eine halbe Stunde drin, aber gekauft habe ich dort nichts, mit dem Hinweis, dass ich keinen Platz im Gepäck hätte und dass ich nichts finden würde, was meiner Frau gefallen würde.

Ein TIPP: Wenn man sich durch die kleinen Gässchen der Souks quält: Zielstrebig laufen, als ob man ein festes Ziel hätte. Dann wird man nicht dauernd angequatscht, ob man nicht etwas kaufen will. Überhaupt, die Gassen und Gässchen … Nach der Verabschiedung von Ahmed, meinem freundlichen „Führer“, versuchte ich, an den Rand der Souks zu kommen, zum Hauptplatz Jeema el Fna. Trotz Handy-Stadtplan und GPS kam ich dreimal (!!) am selben Ort wieder raus.

Interessant wird es am Abend. Halb Marrakesch kommt dann zum „Platz der Gehenkten“, DEM Treffpunkt in der Medina. Auch tagsüber ist hier einiges los, aber das wahre malerische Leben beginnt kurz vor Sonnenuntergang. Als Tourist kann man dann auf die Dachterassen der verschiedenen Cafes am Platz gehen und das Treiben erstmal von oben betrachten.

Ein Essensstand neben dem anderen. Wenn man hier durchgeht, bekommt man alle paar Sekunden eine Speisekarte unter die Nase gehalten mit der lauten Aufforderung, doch zum Stand Nummer xy zu kommen.

Direkt am Platz kann man sich eine Pferdekutsche mieten und sich eine Weile durch die Altstadt und angrenzende Gebiete fahren lassen.

Ein paar Meter weiter befindet sich das Wahrzeichen der Stadt: Das Minaret de Koutoubai. Bei Sonnenuntergang soll es leuchten wie eine Fackel, allerdings war ich wohl auf der falschen Seite. Aber auch nachts ist es ein imposanter Anblick:

 

Was mich auf meinen vielen Rundgängen immer wieder beeindruckt hat: Marrakesch ist eine grüne Stadt. Massenhaft Parks, die teilweise landwirtschaftlich betrieben werden, viele Grünflächen, und besonders die großen Avenues und Boulevards sind regelrechte Alleen. Überall sieht man Orangenbäume. Wie mir aber jemand erzählt hat, kann man die Orangen nur zu Konfitüre verarbeiten.

Ganz in der Nähe meines Hotels im Stadtteil Gueliz („Nähe“ bedeutet hier ca. 1,2 km entfernt) gibt es den Jardin Majorelle. Der wurde vor vielen Jahrzehnten von einem Herrn Majorelle angelegt und 1980 von Yves St. Laurent gekauft und wieder aufgepäppelt. Als St. Laurent starb, hat man hier seine Asche verstreut.

Der Eingang war irgendwie schwer zu finden. Er befindet sich in einer Seitenstraße, und ich habe ihn nur dadurch gefunden, dass ich nachschaute, wo eine riesige Truppe japanischer Touristen herkam, als sie zurück zu ihren Bussen gingen. Der Garten ist gerade bei Touristen sehr beliebt, obwohl er ca. 7 Euro Eintritt kostet. Wenn man ihn also in Ruhe genießen will, sollte man seeehr früh da sein.

Einige der über 300 verschiedenen Pflanzen im Garten

Ein Brunnen im typischen Majorelle-Blau.

An diesem Tag ging ich weiter durch die Medina zum Maison de photographie. Wer sich für Fotografie an sich interessiert, der ist hier richtig: Über 4000 Bilder der letzten 100 Jahre mit Motiven rund um Marrakesch kann man hier sehen. Und auf der Dachterasse kann man die Aussicht genießen und (wenn man Hunger hat) eine Tajine essen. Das sind unterschiedliche Gerichte mit und ohne Fleisch, die stundenlang in einem geschlossenen Lehmtopf garen.

 

Nach einer schönen Ruhepause ging es weiter zu einem östlichen Tor und dann die Stadtmauer entlang Richtung Süden. So etwas ist anstrengend, aber man sieht das Alltagsleben, das andere Touristen normalerweise nicht sehen. Zum Beispiel kam ich in eine Gegend, in der massenhaft Werkstätten für die unterschiedlichen Zweiräder zu finden waren. Man muss sich das ungefähr so vorstellen: 10 bis 12 Werkstätten nebeneinander, alle in der Größe meines Badezimmers – und repariert wird auf dem Bürgersteig.


Werkstätten für Zweiräder und Autos – massenhaft zu finden

Irgendwann war ich dann am südlichen Ende der Altstadt bzw. noch ein ganzes Stück weiter. Ich lief mitten durch den riesigen Jardin Agdal, der allerdings von einer Straße durchschnitten wird. Der ganze Garten ist eingezäunt und wird ebenfalls landwirtschaftlich genutzt. Mittendrin gabs dann eine Zufahrt Richtung Norden, wo ich eigentlich hinwollte, Richtung Palais Royal. Nach einigen Minuten kam ich an eine riesige Mauer, die seltsamerweise nicht auf meiner Stadtkarte eingezeichnet war. Aber immerhin: sie gab ein nettes Fotomotiv ab.

Um die Ecke rum sah ich dann viele Wachhäuschen und dachte: Hier bin ich falsch. Tatsächlich war das Gebäude ein Teil des Palast-Geländes – und natürlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, wie mir ein freundlicher Wachmann erklärte.

Ich kam dann doch noch in die Altstadt und zu dem Saadier-Friedhof. Die Saadier waren über lange Zeit die Sultane in Marrakesch. Die Gräber selbst sind sehr interessant, die Grabplatten bestehen aus unterschiedlichen Mosaiken, manchmal mit einer kleinen Erhöhung.

Wer sich das auch mal ansehen will: Direkt an der Südseite der Moschee La Kasbah gibt es eine kleine Seitengasse, wo dann auch die Kasse zum Friedhof ist.

Für den Rückweg habe ich mir dann ein Taxi geleistet – und es das einzige Mal geschafft, einen Taxifahrer herunterzuhandeln 😀 Taxi deshalb, weil ich an diesem Tag laut Google Maps 16 km zu Fuß unterwegs war.

An meinem 3. Tag in Marrakesch wollte ich einfach in einem der vielen Parks ausspannen und habe mir dafür den Jardin de la Menara im Südwesten der Stadt ausgesucht. Und diesmal wollte ich mit dem Bus fahren. Nur: Welche Linie ??? Kurz gesagt: Nach einigen Irrungen und Wirrungen bin ich doch wieder Taxi gefahren.

Der Garten ist bei den Einheimischen sehr beliebt. Man sieht massenhaft Familien, die dort einen Spaziergang machen oder den ganzen Tag verbringen. Auch dieser Park wird landwirtschaftlich genutzt, man findet dort Tausende von Olivenbäumen. Und in der Mitte ist ein riesiges Wasserbecken (150×200 Meter), das man umrunden kann.

Am einen Ende des Beckens steht ein fast 900 Jahre alter Pavillion, der ein sehr beliebtes Motiv für Selfies und Familienbilder ist. Nachdem ich zweimal darum gebeten wurde, ein Foto zu machen, musste auch eins von mir her 😉

Zurück habe ich dann den Bus Nummer 18 genommen. Allerdings … wo ist eine Bushaltestelle? Gegenüber dem Park war eine große Haltebucht, und durch Erfahrung und Beobachtung klug geworden dachte ich mir, dass ich da vielleicht einen Bus bekommen könnte. So war es dann auch … Mehr zum Bussystem am Ende dieses Berichtes.

Abends bin ich dann nochmal ein bißchen in der Gegend herumgelaufen und habe mir an einem Straßenstand einen frischgepressten Granatapfelsaft geleistet. Lecker !! Also, der Saft, nicht der Stand:

 

Am nächsten Tag ging es nachmittags wieder an den Flughafen. Vorher habe ich noch einen Spaziergang Richtung Norden gemacht, bis zu den Hügeln am Stadtrand. Und zum Thema „Flughafen“ gleich noch ein TIPP: Plant viel Zeit ein !! Man muss durch ingesamt 4 Kontrollen, das Formular von der Einreise nochmal ausfüllen und dann seinen Flugsteig finden. Hätte das Boarding für meinen Flieger nicht verspätet angefangen, wäre ich ziemlich in Zeitnot geraten. Für meinen Flieger gabs auch nur 2 Schalter zum Kofferaufgeben – und vor mir waren massenhaft marokkanische Familien mit riesigen Mengen an Gepäck, die alle nach Deutschland wollten.

Ein letzter Blick aus dem Flugzeug auf das nächtliche Marokko und dann gings Richtung Heimat.

Zu guter Letzt noch diverse TIPPS:

1. Wer einige Brocken Französisch kann, ist eindeutig im Vorteil, auch wenn viele Marokkaner etwas Englisch beherrschen.

2. Wenn Euch jemand anspricht und Euch freundlich fragt, wo Ihr hin wollt / dass er Euch aus dem Hotel kennt / ob Ihr was kaufen wollt: Merkt Euch zwei Sätze auf Französisch, die ich regelmäßig anwenden durfte: a) Je n’ai pas besoin d’un guide (ich brauche keinen Führer) b) Je ne veux pas faire un present (ich will kein Geschenk machen).

3. Bus fahren ?? Viel Glück. Auf der Homepage der Verkehrsbetriebe www.alsa.com findet man zwar einen Plan der Buslinien und welche Tour die Busse fahren, aber weder Haltestellen noch Abfahrtszeiten. Viele Haltestellen sind auch gar nicht gekennzeichnet. Und an denen, die gekennzeichnet sind, sieht man auch nur die Liniennummern. Der Bus kommt, wenn er kommt ! Aber dafür ist er billig.

4. Wer Ruhe und Erholung sucht, sollte sich ein Hotel oder Riad außerhalb suchen.

5. Taxi fahren ist einfach: An den Straßenrand stellen und die Hand heben. Spätestens 10 Sekunden später kann man einsteigen. Aber: Immer VORHER nach dem Preis fragen !! „Ca fait combien?“ heißt das Zauberwort. Verlangt jemand für eine innerstädtische Tour mehr als 50 MAD, dann sucht Euch ein anderes Taxi.

6. Ihr habt ein Handy mit GPS? Installiert die App von „Here“ und ladet Euch die Offline-Karte von Marokko herunter. Die Karte hat mir viel gebracht, auch wenn man im Tourismusbüro schöne Stadtpläne bekommt.

Mehr Fotos für die, die es interessiert, gibt es in meinem Fotoalbum. Viel Spaß. Und hinterlasst doch einen Kommentar, wenn Euch mein Bericht gefällt. 🙂

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